Expedition: Im Laufschritt zum Berliner Südpol

Idylle pur: Der malerische Blick auf den Großen Zug lädt zum Verweilen ein.

Natürlich gibt es keinen Südpol in Berlin. Berlins südöstlichster Zipfel ist dennoch ein besonderer Ort. Rauchfangswerder liegt auf dem Schmöckwitzer Werder, einer Landzunge, umgeben von idyllischen Seen. Die Gegend lädt ein zum Wandern und Radfahren. Sie ist eine ideale Trainingsstrecke für Langstreckenläufer. Inzwischen ist die Strecke für mich zum Lieblingslaufrevier geworden. Die Laufstrecke lässt sich sehr gut auf verschiedene Distanzen zwischen 16 und 31 Kilometer und mehr variieren. Hier nun meine Streckenbeschreibung der 31 Kilometer langen Variante, die abwechslungsreiche Landschaftseindrücke zu bieten hat.

Die Route führt über das Schmöckwitzer Werder zur Wernsdorfer Schleuse und den ehemaligen Truppenübungsplatz Paschenfeld. Weiter geht es über Neu-Zittau, Gosen, am Oder-Spree-Kanal nach Schmöckwitz wieder nach Eichwalde zum Ausgangspunkt.

Los geht es in Eichwalde

Humboldtstraße Eichwalde
Blühende Kirschbäume in der Humboldtstraße.

Start der Strecke ist bei uns vor der Haustür, die Fontaneallee in Eichwalde. Natürlich kann man den Rundkurs starten wo man will. Erfahrene Läufer nehmen mindestens einen halben Liter Wasser mit, im Hochsommer eher einen ganzen oder mehr. Wir laufen zur Waldstraße, die die nördliche Ortsgrenze Eichwaldes markiert und biegen dort rechts ab. In Richtung Osten laufen wir uns locker warm, überqueren die Bahnlinie an der Nordschranke und traben weiter bis zur Gosener Straße. Der Blick in die Seitenstraßen lohnt sich. Die blühenden Kirschbäume in der Humboldtstraße sind Anfang Mai immer ein Blickfang. Auf Höhe der Uhlandstraße finden wir ein auffälliges Haus mit einem markanten Vorgarten, geschmückt mit allerlei Figuren und einer Grotte aus weichem Vulkangestein. Das Haus ist ein Nachbau des Heidelberger Schlosses. Natürlich ist es viel kleiner als das Original.

Nach etwa einem Kilometer geht es rechts in die Gosener Straße weiter nach Schmöckwitz. Die Gosener Straße geht auf Höhe der Bahnhofstraße in die Godbersenstraße über, die direkt in das Adlergestell in Schmöckwitz einmündet. Dort biegen wir rechts ab und laufen Richtung Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 68.

Schmöckwitz war einst eine Insel

Ursprünglich war Schmöckwitz einmal eine Insel mit einem Fischerdorf, das 1375 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die restaurierte Dorfkirche wurde 1798 erbaut. Für Läufer, Wanderer ist Schmöckwitz ebenso wie Eichwalde ein guter Startpunkt, da der Ort gut mit der Straßenbahnlinie 68 vom S-Bahnhof Berlin-Grünau aus erreichbar ist. Wir laufen links an der Dorfkirche vorbei und überqueren die Dahme. Auf der Schmöckwitzer Brücke hat man einen schönen Blick auf den Zeuthener See, der sich nach Süden erstreckt und Richtung Norden auf den Langen See, von dem in nordöstliche Richtung der Seddinsee abzweigt. Diesen werden wir am Schluss unserer Expedition sehen.

Nichts für Tempoläufer

Unmittelbar hinter der Brücke laufen wir rechts auf das Schmöckwitzer Werder, vorbei an der Badestelle, direkt dahinter an der neuen Rettungsstation zum Ufer des Zeuthener Sees. Von nun an haben wir schätzungsweise 15 Kilometer weichen Waldboden unter den Füßen.

Zeuthener See
Sitzbänke am Ufer des Zeuthener Sees laden zur Pause ein.

Vorsicht ist geboten: Die Wurzeln sind gefährliche Stolperfallen auf dem Weg Richtung Süden. Wir laufen immer am Ufer des Zeuthener Sees entlang. Die Strecke ist nichts für Tempoläufer – nicht nur wegen der Unebenheiten – sondern wegen der reizvollen Ausblicke auf die Seen, umrahmt von frischem Grün der Erlen, Weiden, und anderen Bäumen, die die Ufer säumen. Sitzbänke an solchen Plätzen laden zum Verweilen ein, doch als hart trainierende Langstreckenläufer lassen wird diese links liegen. Das Ufer am Schmöckwitzer Werder ist das einzige, an dem man fast überall freien Zugang zum Zeuthener See hat. Das gegenüberliegende Ufer in Zeuthen ist fast überall mit Villen bebaut. Nur an wenigen Stellen gibt es dort einen freien Zugang zum Wasser. Nach gut einem Kilometer erreichen wir das Gelände der Teikyo-Universität, eine japanische Privatuniversität.

Spritzenhaus Freiwillige Feuerwehr Rauchfangswerder
Das Spritzenhaus Freiwilligen Feuerwehr Rauchfangswerder.

Die Strecke führt uns weiter am Ufer des Zeuthener Sees entlang zur DLRG Rettungsstation des Arbeiter Samariter-Bundes (ASB). Wessen Trinkflaschen hier schon leer sein sollte, der kann sie von den freundlichen Rettungsschwimmern mit Wasser nachfüllen lassen. Wenn wir mit etwa sechs Minuten pro Kilometer unterwegs sind, wird unsere Stoppuhr rund 47 Minuten anzeigen, wenn wir den Schmöckwitzer Damm erreichen. Dort biegen wir rechts ab und traben nach wenigen Metern bei der Freiwilligen Feuerwehr Rauchfangswerder vorbei. Von nun an ist es nur noch rund ein Kilometer zum ersten Etappenziel, dem südöstlichsten Zipfel Berlins, Rauchfangswerder. Für viele Berliner Zeitgenossen ist der Ort mehr als JWD (janz weit draußen), denn für die meisten Berliner sind Fahrstrecken, die mehr als vier oder fünf S-Bahn-Stationen umfassen schon eine kleine Weltreise.

Hier ist nicht das Ende der Welt

Bushaltestelle Moßkopfring, Rauchfangswerder
Nicht das Ende der Welt: Busverbindung ab Moßkopfring.

Aber Rauchfangswerder ist nicht das Ende der Welt. Denn dort befindet sich wohl Berlins südlichste Bushaltestelle. Immerhin hat man dort an der Bushaltestelle Moßkopfring wochentags ab 4:58 eine Bussverbindung nach Schmöckwitz. Ich vermute, der Ort war früher vom Fischfang geprägt. Kleine Häuschen säumen noch heute die Ufer des Zeuthener Sees und des Großen Zugs. Aber auch große Vorstadtvillen gut situierter Familien prägen den Ort. Im Dorf sind einige Wassersportvereine ansässig und es gibt kleine Ausflugslokale mit Biergärten. Diese lassen mich als Langstreckenläufer aber kalt. Denn ich nehme bei solchen Unternehmungen nie Geld mit.

Der Moßkopfring knickt nach Norden ab und führt uns direkt zum Waldweg, der am Ufer des Großen Zugs vorbei führt. Die Badestelle in unmittelbarer Nähe von Rauchfangswerder hat ein paar Spielgeräte zu bieten und ist sicher ein willkommenes Ausflugsziel für Familien mit kleineren Kindern. Nun traben wir am Wasser entlang weiter und entdecken immer wieder malerische Ausblicke auf die Seen entlang der Strecke. Sollten wir noch immer mit einem sechser Kilometerschnitt (6 Min. pro km) unterwegs sein, wird unsere Stoppuhr sicher eine Stunde und 15 Minuten anzeigen, wenn wir den Zeltplatz am Krossinsee erreichen. Hier können wir unsere Trinkflasche entweder von einem freundlichen Dauer-Camper oder wenige Meter weiter an der DLRG-Rettungstation auffüllen lassen. Bei Temperaturen von mehr als 20° C sollten wir das unbedingt tun. Denn auf den nächsten rund zehn Kilometern bis Gosen gibt es kaum eine Möglichkeit Wasser zu tanken.

Das blaue Haus am Schmöckwitzwerder Süd
Die blaue Farbe des kleinen Häuschens ist in Wirklichkeit noch viel knalliger.

Weiter geht es am Campingplatz vorbei zum Schmöckwitzwerder Süd. So heißt die schmale Straße, gesäumt von kleinen Wochenendhäuschen und Kleingartenanlagen. Ganz besonders Auffällig ist das kleine blaue Haus am Biergarten. Die blaue Farbe springt einen in Wirklichkeit förmlich an. Wir laufen weiter zur Wernsdorfer Straße, welche wir überqueren. Über einen kurzen Schlenker nach Rechts laufen wir gegenüber in die Straße direkt auf den Oder-Spree-Kanal zu. Wir überqueren ihn an der Fußgängerbrücke und laufen dann rechts direkt auf die Wernsdorfer Schleuse zu. Der Pfad führt entlang des Kanals und ist ein besonders schöner Streckenabschnitt. Der Oder-Spree-Kanal zerteilt den Wernsdorfer See in einen südlichen und nördlichen Teil. Wir müssen über zwei Fußgängerbrücken und haben bald freie Sicht auf beide Teile des Sees. Trotz der nahegelegenen Deponie Wernsdorf scheint der See ein ökologisches Kleinod zu sein. Doch der Eindruck täuscht, denn auf der Website der Berliner Stadtreinigung (BSR) heißt es (13.5.2010):

Aufgrund einer im Grundwassermonitoring festgestellten, lokal eingegrenzten Grundwasserkontamination, erfolgte zwischen Dezember 2004 und April 2005 eine Sanierung, bei der der Boden ausgetauscht wurde.

Bleibt zu hoffen, dass die Deponie dicht bleibt. Aber vielleicht wird es ja in nicht all zu ferner Zukunft rentabel die Deponie als neue Quelle alter Wertstoffe wieder abzubauen. Ein Freund erzählte mir, als ich mit ihm die Strecke lief, dass auf diese Deponie in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts auch Abfälle aus Westdeutschland verbracht wurden.

Wir laufen weiter am Kanal entlang, Richtung Schleuse und lassen See und Kanal bald hinter uns. Wir überqueren die Neu Zittauer Straße und biegen an der Gaststätte Zur Schleuse links ab und traben einen leichten Anstieg zum Paschenfeld hinauf, einem ehemaligen Übungsplatz der DDR-Armee.

Hinter uns die Seen, vor uns die Lüneburger Heide in klein

Ruine am ehemaligen NVA-Übungsplatz Paschenfeld
An der Ruine links abbiegen und immer dem Pfad entlang des Schießplatzes entlang

Die Straße, mit gelochten Betonplatten gepflastert, führt direkt zum Schießstand des Schützenclubs Wernsdorf. Vor dem Eingangstor laufen wir rechts am Schießgelände vorbei. Nach wenigen Metern an der Ruine biegen wir links ab. Rechts entlang des Pfades finden wir noch gut erhaltene Schützengräben, die mit Beton eingefasst sind. Wie viele NVA-Soldaten mögen wohl da durch gescheucht worden sein? An der nächsten Wegkreuzung, an der Ecke befinden sich die Fundamente eines Gebäudes, biegen wir rechts ab.

Wo früher NVA-Fahrzeuge märkischen Sand durchpflügten und DDR-Soldaten sich für den Kampf gegen den Klassenfeind im Westen bereit machten, ist heute eine Heidelandschaft entstanden, ein ökologisches Kleinod. Der Boden gibt nicht viel her, so dass sich hier keine anspruchsvolleren Pflanzen ansiedeln könnten. Der Sandboden mit einer hauchdünnen Humusschicht ist besiedelt mit trockenresistenten Gräsern und Kräutern. Hier und da wachsen Kiefern, Birken und Heidekraut.

Heidelandschaft Paschenfeld bei Wernsdorf
Das Paschenfeld, ehemals ein NVA-Übungsplatz bei Wernsdorf, ist heute ein ökologisches Kleinod.

Hier sollte man langsam laufen, denn in den ersten warmen Frühjahrswochen sind viele Schmetterlinge zu beobachten.  Die Landschaft erinnert an die Lüneburger Heide, jedoch ist das Paschenfeld im Vergleich dazu winzig klein. Die Route führ uns über die offene Heidelandschaft weiter zum Waldrand in östliche Richtung.

Es ist etwas mühsam auf den sandigen Wegen zu laufen. Erst recht, wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, wird versucht sein, über den dünnen Bewuchs zu fahren. Dies sollte der naturliebende Radfahrer tunlichst unterlassen und lieber sein Gefährt schieben. Denn die Bodenschicht ist so dünn, dass die Reifen sie sofort durchbrechen und der Erosion durch Wind und Regen freie Bahn geben. Wer Schiebt hat außerdem mehr von der Tour: Er sieht mehr! Am Wald laufen wir nach Rechts immer am  Waldrand entlang, müssen ein paar Schlenker machen um dem Weg zu folgen, der hier sehr sandig ist. Ein markanter Punkt ist eine orange farbene Tafel, die eine Gasleitung markiert. Wir lassen sie rechter Hand liegen, laufen aber dann am östlichen Rand doch in den Wald auf eine Kreuzung zu. Dort biegen wir links ab und nach wenigen Metern wieder links. Nun geht es etwa einen Kilometer bis zur Friedersdorfer Chaussee, wo wir links abbiegen und nach gut zwei Kilometern Neu Zittau erreichen.

Der Ortsteil der Gemeinde Gosen-Neu Zittau hat einen interessanten historischen Hintergrund. Friedrich II. von Preußen hatte die Idee, Wollspinner aus Sachsen unter anderem an diesem Ort anzusiedeln. Tatsächlich sollen aber nur zwei Familien aus Sachsen sich in Neu-Zittau niedergelassen haben. Gut zwei Stunden und 15 Minuten wird unsere Stoppuhr zeigen, wenn wir diesen Ort erreichen.

Frisches Brunnenwasser in Gosen

Die weiteren rund acht Kilometer laufen wir auf asphaltierten oder gepflasterten Wegen. Die Route führt uns weiter nach Gosen. Hier haben wir in der Ortsmitte gegenüber der Feuerwehr die Möglichkeit unsere Wasserflasche aufzufüllen. Zwar gibt es an dem öffentlichen Brunnen ein Schild, das darauf hinweist, dass es sich dabei um kein Trinkwasser handelt, jedoch ist mir davon noch nie schlecht geworden. Vielleicht sollte ich mal eine Anfrage beim Gesundheitsamt des Kreises stellen oder bei der Gemeinde Gosen-Neu Zittau nachfragen, wie die Messwerte für das Wasser aus diesem neu erbauten Brunnen wirklich sind. Schmecken tut es jedenfalls hervorragend. In Gosen laufen wir weiter über die Eichwalder Straße zu den Gosener Bergen. Dort befindet sich ein ehemaliges Schulungsgelände der STASI. Versuche, das Gelände nach der Wende zu bewirtschaften, beispielsweise als Konferenz- und Tagungsstätte waren nicht erfolgreich.

Ganz locker: nur noch vier Kilometer

Bald erreichen wir die Brücke über den Oder-Spree-Kanal und laufen weiter entlang des Kanals Richtung Schmöckwitz, also hinter der Brücke rechts. Schnurgerade führt uns der Kanal direkt zum Seddin-See. Endlich haben wir wieder weichen Boden unter den Füßen. Das bleibt auch so, bis wir nach etwa drei Kilometern die Wernsdorfer Brücke in Schmöckwitz erreichen. Wir laufen weiter so, wie wir auf dem Hinweg gelaufen sind, mit dem Unterschied, dass wir in Eichwalde einen Abstecher über die Bahnhofstraße, den S-Bahnhof und die Schulzendorfer Straße machen. Am Ziel werden wir etwa drei Stunden und zwanzig Minuten auf unserer Uhr ablesen. Wenn es weniger sind, dann sind wir zu schnell gelaufen und haben vielleicht das eine oder andere interessante Detail am Wegrand übersehen.

Wer die Strecke einmal selbst erkunden will, der kann sie sich bei jogmap.de anschauen. Wer mit Hightech-Spielzeugen wie GPS-Geräten läuft, der kann sich hier demnächst die Strecke als Pfad im GPX-Format herunter laden: Eichwalde-SchmoeckwitzerWerder-Neu-Zittau-Gosen.gpx.

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